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Archive for the ‘Schattenseite’ Category

„Sind Sie auf Speed oder sowas?“

„Wired“, die genialische Postille für „Geeks und Technik-Freaks“ (Wikipedia), jetzt auch mit deutscher Ausgabe(!) (Wired-DE Blog), hat endlich herausgefunden, was Walter White und Jessie Pinkman in „Breaking Bad“ wirklich als angebliches Crystal Meth verticken: Kandiszucker!

Und dabei gleich noch ein paar Film-Drogen mehr aufgelistet. Was da nicht alles herhalten muss.

(Na ja, so neu ist diese Erkenntnis auch wieder nicht, aber ein Link auf Wired kann diesem Blog nur gut tun.)

Kategorien:Film, Schattenseite, Splitter

LSD gegen Alkoholismus!

Auf solch eine Meldung stürzen sich natürlich die Medien (hier SPIEGEL ONLINE), mit so was kann man Klicks generieren, von daher hat der Autor lange überlegt, ob er die Meldung übernehmen soll, vor allem weil dem Artikel bei Nature News nichts  mehr hinzuzufügen ist. Die medikamentöse Gabe von LSD könnte tatsächlich moderne Therapieformen gut unterstützen.

Und warum solllten Krankheiten nicht durch illegale Substanzen behandelbar sein? Denn der Unterschied zwischen Droge und Medikament liegt in der Stärke der Wirkung, die wie hier durch die Dosis eingestellt werden kann, und gerade  auch weil LSD nicht süchtig macht.

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Pseudo aus Meth – mal der umgekehrte Weg?!

Pseudo aus Meth – war das nicht immer andersherum? Durchaus, die Standardsynthese – spätestens seit „Breaking Bad“ allen bekannt – läuft so. Aber zwei Autoren im obskuren „Journal of Apocryphal Chemistry“ beschreiben jetzt den entgegengesetzten Weg (Link[PDF], gefunden über In the Pipeline), einfach aus der leichteren Verfügbarkeit von Methamphetamin auf der Straße im Gegensatz zum legalen Pseudoephedrin, dem „klassischen“ Meth-Precursor und daher streng reglementiert. Und wenn die Allergie mal wieder Pseudo braucht und die Apotheken haben geschlossen, kauft man sich halt Meth auf der Straße und kramt seine Chemiekenntnise wieder heraus.

Die Autoren notieren:

A quick search of several neighborhoods of the United States revealed that while pseudephedrine is difficult to obtain, N-methylmethamphetamine can be procured at almost any time on short notice and in quantities sufficient for synthesis of useful amounts of the desired material. Moreover, according to government statistics, N-methylmethamphetamine is becoming an increasingly attractive starting material for pseudephedrine, as the availability of N-methylmethamphetamine has remained high while prices have dropped and purity has increased. We present here a convenient series of transformations using reagents which can be found in most well stocked organic chemistry laboratories.

Das nenne ich mal gelungene Satire! Jeder Satz sitzt, die Anspielungen sind genial. Und wer lesen will, wie man wissenschaftlich den „Straßeneinkauf“ beschreibt, sollte das Dokument unbedingt runterladen. Natürlich ist dieses Journal nicht offiziell, was der Zusatz „apocryphal“ aber schon andeutet. Die Aufmachung ist professionell und klassisch und sieht einem echten Journal zum Verwechseln ähnlich, moderner Textverarbeitung à la LibreOffice sei Dank. Den Autor hat es wohl in den Fingern gejuckt, das Anfang des Jahres gefundenen RSC-LibreOffice-Template auszuprobieren (vgl. Titel des Dokuments!) Literaturverweise stehen am Ende, die auch existieren (Nur der Verweis auf J. Chem. Soc. ist etwas fehlerhaft). Die DOI-Nummer führt in nichts, was man mit etwas Erfahrung aber schon an dem wirren Code sehen kann. Aber der Autor muss sich mit den wissenschaftlichen Gepflogenheiten sehr gut auskennen. Und verboten ist es auch nicht, aus etwas Verbotenem etwas Legales herzustellen!

Die dunkle Seite der Chemie – Drogen und das Internet

Gleich zwei populär-wissenschaftliche Zeitschriften titeln dieser Tage mit diesem Thema, was den Lesern von „ChemieUnser“ nicht vorenthalten werden soll. So macht einerseits die „Technology Review“ mit „Synthetische Drogen – Rausch aus der Retorte“ auf, andererseits das „Discover Magazine“ mit „Chemists in the Shadows“. Im ersteren Artikel liegt der Fokus auf neu entwickelten Designer-Drogen, im zweiteren geht es mehr um die Hersteller hinter diesen Drogen und auch neuen Steroiden.

Immer noch machen die klassischen Drogen wie Cannabis, Kokain und die Gruppe der Amphetamine (wie „Crystal Meth“) den größten Teil der Drogenstatistik aus, doch mit dem einfachen Vertriebsweg Internet gibt es ein neues Schlachtfeld zwischen Produzenten und Strafverfolgungsbehörden –  sogenannte „Legal Highs“, was „eine Sammelbezeichnung für psychoaktive Substanzen [ist], die nicht im Rahmen der Drogengesetzgebung überwacht werden“[1], schlicht und ergreifend, weil sie noch nicht bekannt sind  und nicht unter z.B. das deutsche Betäubungsmittelgesetz fallen. Der Vertrieb erfolgt als „Badesalz“, „Dünger“ oder „Forschungschemikalien“ über eigene, „legale“ Online-Shops. Und die Vielfalt nimmt immer mehr zu, wird eine Substanz entdeckt und nachweisbar, erfolgt sofort die Umstellung des Angebots auf neue, unbekannte Wirkstoffe. Dies lässt sich an Statistiken ablesen: So wurden beim Europäischen Drogenüberwachungszentrum EMCDDA in den Jahren 2009 24, 2010 41 und 2011 schon 50 neue Substanzen ermittelt und unter Überwachung gestellt, wobei die Hauptmenge Cathinone (Varianten des Wirkstoffs aus dem Kathstrauch) und synthetische Cannabinoide sind.

Die psychischen und physischen Folgen des Konsums dieser Drogen sind vollkommen unbekannt. Zusätzlich machen durch mangelhafte Aufreiningung vorhandene Nebenprodukte den Konsum zum Lotteriespiel mit der eigenen Gesundheit, was ein großes Problem des Schwarzmarkts insgesamt ist. So ist „Crystal Meth“ häufig mit Iodwasserstoff verunreinigt, was bei den Junkies zum berüchtigten „Meth-Mund“ führt.

Im Kampf gegen die Drogen werden zunehmend auch neue, offensive Methoden angewendet, ganz vorn dabei: die Abwasseranalyse. Moderne Analysemethoden machen selbst geringste Substanzkonzentration im ppb-Bereich detektierbar und lassen somit auf den Drogenverbrauch ganzer Städte oder Stadtteile schließen.

Aber das Internet ist nicht nur Vertriebsweg, sondern auch eine Schatztruhe an Informationen. Die durch das Internet entstandene „Informationsgesellschaft“ macht auch solches Wissen jederzeit abrufbar und weltweit verfügbar und die Drogenszene verlagert sich dadurch von der leicht zu überwachenden Bahnhofsstraße direkt in die Wohnzimmer der bürgerlichen Gesellschaft, wenn man die „richtigen“ Seiten ansurft. Das beginnt bereits bei Wikipedia, das selbst bereits auf „Erowid“ verlinkt, eine ziemlich krude Mischung von Drogenerfahrungen und -rezepten. Allerdings kann die Verbreitung solcher Informationen nicht unterbunden werden und Forscher wie der 86-jährige Alexander Shulgin, bekannt als Erfinder von Ecstasy und immer noch aktiv auf der Suche nach dem Unterschied zwischen Droge und Hirnkiller, tun das übrige dazu und stellen ihre Forschungen frei ins Internet. Aber auch die legale Fachliteratur aus anerkannten Journals wird gelesen und als Quelle „missbraucht“, wie manche Forscher ungläubig feststellen mussten.

Während die intelligenten Köpfe des Drogengeschäfts, die „Designer“ im Westen zu finden sind, so stammt der größte Teil der verbreiteten Drogen aus China und Südostasien. Dort lässt sich leicht Laborpersonal anheuern, die professionell und im großen Stil die gewünschten Substanzen synthetisieren. Dabei sind diese Drogen so potent, dass wenige Milligramm zum Flash ausreichen, die ohne Probleme zu schmuggeln sind oder einfach mit der Post gesendet werden.

Bleibt die Frage, ob der Kampf gegen den Rausch überhaupt zu gewinnen ist. Diskutiert wird ein Verbot ganzer Substanzklassen, nicht mehr einzelner Stoffe, wobei die Befürchtung besteht, dass dies erst recht zu einer Eskalation führt durch noch ausgefallenere, noch unsichere Wirkstoffe. Die Menschen werden immer zu Rauschmitteln greifen, sei es auch nur, weil sie verboten sind. Eine Legalisierung und staatliche Kontrolle einiger weniger, weitgehend sicherer Substanzen könnte die bessere Strategie sein.

[1] B. Hughes, A. Gallegos, R.Sedefov, „Reaktion auf neue psychoaktive Substanzen„, EMCDDA, 2011.

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