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Die Welt ist magenta! – R.P.57:1

Eigentlich ein recht unscheinbarer Artikel in der Angewandten Chemie:  „Kristallstrukturen  der Hydratstrukturen von Pigment Red 57:1“.

Red Pigment 57:1

Doch Pigment Red 57:1 (R.P.57:1) stellt das wichtigste organische Rotpigment dar, die Jahresproduktion beträgt beachtliche 50 000 Tonnen weltweit und der damit verbundene Jahresumsatz 200 Mio. €. So kommt dieses Azopigment für den Farbton Magenta beim Vierfarbdruck zum Einsatz, zum Beispiel zum Druck einiger exemplarischer Tageszeitungen wie The New York Times, The Sun, Bild, El País, La Repubblica, Le Monde oder Shanghai Daily oder auch Fachjournale wie die Angewandte Chemie selbst, was die Wissenschaftler alles selbst per Analyse herausgefunden haben.

Auch Wikipedia (deutsch, englisch) kennt R.P.57:1 (unter dem Namen Litholrubin BK) und er ist auch als Lebensmittelzusatzstoff E 180 zugelassen für auch essbare Käserinde (Sind Azopigmente im Essen wirklich eine gute Idee?).

Zur Erklärung der Abbildung, in der die Azogruppe (-N=N-) fehlt, bemerken die Autoren:

Alle kommerziellen „Azopigmente“ enthalten im Festkörper keine Azo-Gruppe, sondern liegen als Hydrazon-Tautomere vor. Man muss also richtigerweise von „Hydrazonpigmenten“ statt von „Azopigmenten“ sprechen.

Und gerade in Druckfarben wird das Pigment nicht gelöst, sondern lediglich dispergiert und somit bleiben die Festkörpereigenschaften erhalten. Übrigens: Allein die Bezeichnung „Pigment“ im Gegensatz zu „Farbstoff“ bedeutet „unlöslich im Anwendungsmedium“ (Wikipedia).

Die genaue Farbe des Pigments hängt dabei von der Menge des Kristallwassers ab, die Autoren konnten Kristallstrukturen für drei Phasen bestimmen:

  • n = 3 : rot
  • n = 1 : magenta
  • n = 0: trüb-dunkel magenta

Erstere und zweitere Strukturen sind hinreichend lang kinetisch stabil, das Monohydrat wandelt sich allerdings bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 % innerhalb nur einer Woche zu Trihydrat um. Kommentar der Autoren:

Der Phasenwechsel zwischen dem carminroten Trihydrat und dem für den Vierfarbdruck verwendeten magentafarbenen Monohydrat kann auch auf gedruckten Zeitungen und Zeitschriften stattfinden; das gedruckte Rot kann somit je nach Witterungsbedingungen und Luftfeuchtigkeit einen unterschiedlichen Farbton haben.

Womit wieder gezeigt wäre: Chemie ist überall und alles hat einen Einfluss auf alles!

[1] S. L. Bekö, S. M. Hammer, M. U. Schmidt, Angew. Chem. 2012, 124, 4814-4818.

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