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Archive for April 2012

Splitter: Goldrausch im All, Neues von den Dinosauriern

Wieder ist etwas zu viel Zeit vergangen, der nächste „Chemie und die Zukunft“-Artikel kommt bestimmt, hier zunächst aber zwei Themen aus den letzten Tagen:

  • Bergbau im All: Überall wurde darüber berichtet (SPON, heise, NatureNews), dass eine eher unbekannte Firma mit prominenten Unterstützern neben der Herstellung von Raketentreibstoffen den Abbau von Platinmetallen im All betreiben will. Eine interessante Idee, hört sich aber sehr nach Science-Fiction an und die Kosten sollen exorbitant sein. Ein Zitat bei NatureNews macht aber stutzig:

    Planetary Resources calculates that a single 500-meter asteroid can contain more platinum group metals than have been mined throughout all of human history.

    Das mag richtig sein, der hohe Anteil solcher Metalle in Asteroiden ist verbürgt, doch gibt es einen Markt für so viel solcher Edelmetalle und wie entwickeln sich dann die Preise?

  • Dinosaurier ziehen Kreise! Auch hier im Blog gab es eine kurze Notiz zu der „Dinosaurier im All“-Pressemeldung von JACS. Jetzt zieht das Paper dahinter noch weitere Kreise, da es sich offensichtlich um ein extremes Selbstplagiat handelt. Die chemische Blogosphäre ist voll davon: ChemistryBlog, In the Pipeline, ChemBark, CuriousWavefunction. Und hier handelt es sich nicht um einen abgehobenen deutschen Ex-Minister und seine Doktorarbeit, sondern um das diskussionswerte Paper eines verdienten Professors! Auch dieser Fall darf nicht einfach durchgehen, ChemBark fordert hier zurecht: Das Paper muss zurückgezogen werden, dem Autor zumindest zeitweise das Publizieren in JACS untersagt werden. War es vorher schon „Bad Science“ (was die ACS-Pressemeldung betrifft), so wird es jetzt nur immer schlimmer.
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Splitter: „Plastic Planet“, Mi 20.15 3sat

An dieser Stelle ein Programmhinweis, der ganz gut in die Reihe „Chemie und die Zukunft“ passt (und an der Stelle wird es dann auch nochmal zum Thema werden):

Mittwoch 18.04.12  20.15    3sat   Plastic Planet

Werner Bootes preisgekrönter Dokumentarfilm „Plastic Planet“ verändert das Leben der Zuseher nachhaltig. Was er zeigt, ist erschreckend: In den Weltmeeren ist heute sechsmal mehr Plastikmüll zu finden als Plankton. Kunststoffe können bis zu 500 Jahre in Böden und Gewässern überdauern und mit einigen Zusatzstoffen das menschliche Hormonsystem schädigen. Plastik ist praktisch überall – sogar in unserem Blut, so die Erkenntnisse aus dem Film „Plastic Planet“: vom Babyschnuller bis zur Trockenhaube, von der Quietschente bis hin zum Auto. Plastik ist überall: Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechsmal in Plastikfolie einzupacken. (Text von 3sat)

Weitere Infos: 3sat-Hompage

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META: Wer oder was ist DOI?/DOI-Protocol Handler

Vielleicht ist es schon mal jemand aufgefallen, dass wissenschaftliche Artikel hier im Blog mit einer Adresse verlinkt sind, die auf http://dx.doi.org/  beginnt, gefolgt von einem Zahlencode (z.B. neulich Hartmut Michels Editorial: http://dx.doi.org/10.1002/anie.201200218)  Dieser sogenannte DOI-Link (für Digital Object Identifier) ist eine praktische Sache für Wissenschaft im Netz: Es ist kein absoluter Pfad nötig, der sich auch ändern kann, z.B. wenn der Verlag seine Webpräsenz umstellt, sondern nur der Link auf den Proxy der DOI-Foundation, der dem Browser sagt, wo das gewünschte Dokument im Moment liegt. Und bei einer Änderung seitens des Verlags ist auch nur dort die neue Adresse einmalig zu ändern.

Das Ganze ist also eine Maßnahme gegen die Schnelllebigeit des Netzes mit ständig anderen Adressen. Leider versteht ein Browser wie Firefox standardmäßig nur die oben genannten vollständigen Links. Häufig wird aber online nur die DOI als „DOI: 10.1021/ja3012897″ angegeben. Wie toll, wenn man das Firefox direkt ohne Tippen von „dx.doi.org/ + STRG + V“ aufrufen lassen könnte!.

Leider gibt es dazu im Netz nicht viel brauchbares (oder es funktioniert nicht mehr wie das offizielle Addon der DOI-Foundation). Auch weil es Spaß macht, hat der Autor deshalb selbst Hand angelegt. Das Ergebnis sind zwei Möglichkeiten!

DOI-Searchengine/DOI-Protocol-Handler

  1. DOI-Searchengine: Mit dieser Searchengine können DOI-Links (ohne „doi:“) in der Suchleiste eingegeben werden, es öffnet sich die entsprechende Seite des verlinkten Papers. Download-Link(in den „searchplugins“-Ordner im Firefox-Profil verschieben), Link zu Mozilla Addons. (Credit für die Idee: jepoirrier).
  2. DOI-Protocol-Handler: Hiermit können DOI-Links sehr komfortabel direkt in die Adressleiste eingegeben werden (mit „doi:“). Download-Link(mit Firefox öffnen), Link zu Mozilla Addons. (Credit für die Anleitung: Mikes Musings).

Das Herunterladen ist kostenlos und geschieht auf eigene Gefahr. Die verlinkte Software enthält keinerlei bösartigen Code.

Schaut mal wieder vorbei, das DOI-Protokoll kann und soll in Zukunft noch um nützliche Funktionen wie einen Eintrag im Kontextmenü „DOI-Link in neuen Tab öffnen“ erweitert werden.

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Splitter: Dinosaurier auf anderen Planeten, Nature must die!, Explosiv bei oralem Verzehr

  • Dinosaurier helfen immer! Auf dem ChemistryBlog gibt es eine herrliche Beschreibung für ein Beispiel, was man braucht, um für die Presse interessant zu sein, in diesem Fall die völlig sinnfreie Erwähnung von Dinosauriern auf fremden Planeten. Dabei ist die ursprüngliche Studie gar nicht mal so uninteressant, auch wenn der Titel sperrig klingt: Evidence for the Likely Origin of Homochirality in Amino Acids, Sugars, and Nucleosides on Prebiotic Earth. Bad, BAD science!
  • Konkurrenz für Nature und Science: In the Pipeline schreibt über die Pläne eine neue Top-Zeitschrift zu launchen, die – man höre und staune – den Premiumtiteln Nature und Science Konkurrent machen soll, noch dazu kostenlos im Netz. Keine schlecht Idee, die Verärgerung über die hohen Gebühren für den Zugriff auf Zeitschriften ist im Moment immens (und immer wieder geht es gegen Elsevier).
  • Explosiv bei oralem Verzehr! An die neuen GHS-Label wird sich der Autor nie gewöhnen, die orangen Zeichen waren doch gut genug. Und dumm nur, dass die Neuen seltsame Assoziationen (ChemistryBlog) hervorrufen.
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Chemie und die Zukunft #2: Steaks oder Sprit?

Seit Jahrtausenden betreibt die Menschheit Ackerbau. Um die Feldfrüchte selbst zu essen (oder in die Vorratskammer zu tragen), an Nutzvieh zu verfüttern oder – neuerdings zu Treibstoff zu verarbeiten.

Biosprit ist in Mode, auch wenn weltweit wohl nur 2 % der Anbaufläche für Energiepflanzen genutzt werden. Regenwälder müssen großen Ölpalmenplantagen weichen. Im Fischer-Tropsch-Verfahren werden dann Biokraftstoffe (sogennante „Biomass-to-Liquid“-Kraftstoffe (BtL) hergestellt. Auch Bioethanol (aus Mais oder Weizen) gehört zu den Biokraftstoffen, das durch die Beimengung zu E10 einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist.

Futterpflanzen beanspruchen dagegen einen nicht geringen Anteil der Anbaufläche. Für 1 kg Rindfleisch sind 8 kg Getreide nötig, die so nicht mehr direkt als Nahrungsmittel zur Vefügung stehen. Mit der weltweiten Zunahme des Fleischkonsums, gerade in den aufstrebenden Entwicklungsländern, ist auch eine Zunahme der Futterpflanzenanbaufläche verbunden.

Somit liegt also die Hauptkonkurrenz im Moment eher zwischen Nahrungs- und Futtermittel, doch die „Energiewende“ soll auch einen deutlichen Ausbau der Energiepflanzen beinhalten. Wird also irgendwann unser Fleischhunger durch unseren Energiehunger ausgebremst? Und steigen die Nahrungmittelpreise insgesamt durch diese Konkurrenz?

Dass es soweit nicht kommen darf, hat Hartmut Michel, Direktor des MPI für Biophysik und Nobelpreisträger für Chemie 1988, in einem Editorial (Open Access) der Angewandten Chemie (Int. Ed.) mit dem programmatischen Titel „The Nonsense of Biofuels“ deutlich gemacht. Er argumentiert darin, dass die Effizienz der Photosynthese, zwar einer der genialsten Naturprozesse überhaupt, insgesamt lediglich 4,5 % der Sonnenenergie beträgt, was diverse Ursachen hat: die Absorption nur von sichtbarem, nicht-grünem Licht, Photoschaden an den Proteinen, die fehlerhafte Insertion von Sauerstoff u.a.

Zusätzlich muss bedacht werden, dass Energie aufgewendet werden muss für Düngemittel, Pestizide und die Umwandlung in Treibstoff. Somit ist Biosprit keineswegs CO2-neutral. Es wird sogar bezweifelt, ob am Ende die Energiebilanz tatsächlich positiv ist. Sein Fazit:

Taken together, the production of biofuels constitutes an extremly inefficient landuse. […] We should not grow plants for biofuel production.

Seine Alternative ist elektrische Mobilität, auch weil immerhin 80 % des Akkuinhalts in Bewegung umgesetzt werden, aber nur 20 % bei Nutzung von Benzin, was die Bilanz des Treibstoffs weiter verschlechtert. Doch das ist ein anderes Thema.

Dass die Deutschen aus Angst um ihren Motor, resultierend aus der verwirrenden Informationspolitik der Mineralölkonzerne abgelehnt haben, war zwar eine nicht-ökologisch begründete Ablehnung von Biosprit, aber in der Sache absolut richtig.

Zum Aufhänger zurück: Es bleibt die ganze Anbaufläche für Nahrungs- und Futtermittel. Wobei, muss man für Fleisch wirklich Tiere halten…

… weiter geht es in der nächsten Folge „Chemie und die Zukunft“ mit „Fleisch ohne Ende?“ über künstliches, in der Petrischale gezüchtetes Fleisch.

[Das Editorial wird auch auf The Curious Wavefunction diskutiert.]

Chemie und die Zukunft #1: Probleme einer modernen Welt

Es ist hier ein wenig stiller geworden, der Autor ist sonst schon genug mit Schreiben beschäftigt, da war einfach keine Zeit mehr für den Blog.

Die Moderne Welt steht vor massiven Herausforderungen. Sofort fallen einem die Begriffe „Klimawandel“, „Energiewende“, „Hungerkatastrophe“ und andere ein. Viele Probleme betreffen Fragen des Zusammenlebens, der Verteilung von Ressourcen und der Verantwortung gegenüber den folgenden Generationen, was häufig mit dem Modewort Nachhaltigkeit beschrieben wird. Und gerade deshalb brauchen wir eine „neue Technologie“, nicht die Technologie des 20. Jahrhunderts nach dem Motto „Nach uns die Sintflut“, sondern neue Ideen für eine neue Welt. Natürlich ist nicht alles ökologisch oder moralisch sinnvoll, keineswegs bedeutet das immer „Zurück zur Natur“. Und es wird immer auch Irrwege geben.

Doch viele Projekte sind von der Chemie her interessant, verblüffend und diskussionswert. Dementsprechend soll in diesem Blogartikel eine neue Reihe gestartet werden, die in loser Folge überblickshaft Themen von größerer Bedeutung, auch oft in Form eines Essays aufgreift. Den Anfang wird machen „Steaks oder Sprit?“.

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