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Ist Cola giftig?

Gestern kam die Meldung auf SPIEGEL ONLINE: Krebsgesetz zwingt Cola-Konzerne zu Rezeptwechsel. Und das klingt wieder dramatischer als es ist.

Die Geschichte hinter der Meldung ist schnell erklärt: Der Staat Kalifornien hat 4-Methylimidazol (4-MEI) auf eine Liste mit krebserregenden Substanzen gesetzt, das als Nebenprodukt im in Cola enthaltenen Zuckerkulör (E 150d, engl. caramel color IV) in geringen Mengen vorkommt. Um eine entsprechende Kennzeichnung („krebserregend“) zu vermeiden, ändern die Konzerne das „Rezept“, es wird ab sofort Zuckerkulör mit weniger 4-Methylimidazol verwendet.

Jetzt die chemische Seite: Je nach der bei der Herstellung verwendeten Zusätzen werden vier Sorten Zuckerkulör unterschieden, basisches, sulfit-basisches, ammoniakalisches und Ammonium-Sulfit-Zuckerkulör, klassifiziert als Zusatzstoffe E 150a-d. Die braune Farbe resultiert dabei aus der sogenannten Maillard-Reaktion, eine Reaktion, die genauso für das Bräunen von Brot, Kuchen oder Braten verantwortlich ist und vor ein paar Jahren durch die Bildung von Acrylamid z.B. bei der Herstellung von Pommes frites bereits in den Schlagzeilen war.

Chemisch gesehen ist das Erhitzen von Lebensmitteln eine ziemliche Schweinerei. Hunderte Inhaltsstoffe reagieren bei der Hitze miteinander oder mit dem Luftsauerstoff, sie zersetzen sich oder schmelzen. Das Ergebnis ist eine weitere Vielzahl an Verbindungen. Es gilt als unbestreitbar, dass die Kunst des Kochens die Entwicklung des immensen Gehirnvolumens des Menschen durch die besser verwertbaren Nährstoffen erst möglich gemacht hat, wir uns aber damit durch die vielen auftretenden, teils giftigen Reaktionsprodukte (wie 4-MEI) unsere eigenen Grube graben. Und selbst rohe Produkte können durch oxidativen Stress zu Schäden am Erbgut führen. Anders ausgedrückt: Der Tod durch von der Ernährung ausgelöstem Krebs kann nur durch den Verzicht auf Nahrungskonsum absolut ausgeschlossen werden, was zum Hungertod nach wenigen Tagen oder Wochen führt und somit das langfristige Problem abschließend löst.

Zurück zur Meldung: Muss man beim Konsum von Cola somit Angst um seine Gesundheit haben? E150d gilt zwar aus den genannten Gründen schon lange als bedenklich – das enthaltene 4-MEI löst bei Nagetieren bei hoher Dosierung nachweislich Krämpfe aus und führt sogar zu Lungenkrebs -, von häufigem Verzehr wird abgeraten. Aber auch in Europa, wo sich nichts ändert, gibt es Grenzwerte für 4-MEI, deren Einhaltung überwacht wird. Und Cola ist somit auch nicht giftiger (vom Zucker einmal abgesehen) als ein knuspriger Braten oder ein gutes Steak, vor allem wenn es stark durchgebraten ist.

Hier noch der Link auf die gleiche Meldung beim Discovery Channel.

[11.03.12, 23:00 Artikel redigiert]

In diesem Blog: Aus gegebenem Anlass – 4-Methylimidazol.

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Kategorien:Aktuell, Lebensmittelchemie Schlagwörter: ,
  1. 22/03/2012 um 02:52

    Der Facebook Gefaellt mir Button wuerde sich gut im Blog machen, oder finde ich ihn nur nicht?

    • 23/03/2012 um 19:03

      Danke für den Hinweis. Ein „Like it“-Button und andere sind jetzt im Blog zu finden.

  1. 15/03/2012 um 22:28
  2. 14/05/2012 um 20:29

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