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Dammbruch bei der DGE – Neues von der Vitaminfront

Von der Industrie werden wir beständig indoktriniert, wie wichtig Vitamine sind, wie viel besser wir uns fühlen können, wenn wir ihre Vitaminpräparate nehmen, und dass es eigentlich nur gut tun kann. Von Verbraucherschützern und Ärtzten wird schon lange die präventive Gabe von allerlei Vitaminen und Mineralstoffen als völlig unsinnig und übertrieben bezeichnet.

Chemisch gesehen sind natürliche Vitamine und Vitamine aus industrieller Herstellung absolut identisch. Allerdings sind in Früchten etc. noch Sekundärstoffe enthalten, die die Aufnahme der Vitamine erleichtern oder erst ermöglichen. Die Vitamine aus der Tablette können somit also teilweise nur unzureichend aufgenommen werden. In neueren Studien ist auch gezeigt worden, dass die Gabe von Vitaminen nicht nur keinen Schutz vor Krankheiten wie Krebs bietet, sondern sogar zu höheren Krebsraten führt (SZ-Artikel (Zusammenfassung der Ergebnisse), Studien im Einzelnen: Archives of Internal MedicineJournal of the American Medical Association). Das Thema ist – anders als es von der Industrie dargestellt wird – durchaus nicht harmlos.

Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) hat daher bei gesunder Ernährung den Verzehr solcher Präparate als nicht notwendig und die Versorgung über die Nahrung als ausreichend bezeichnet. Eine Ausnahme scheint jetzt Vitamin D zu sein, das vor allerlei Krankheiten schützen soll. Die tägliche Aufnahmeempfehlung dieses sogenannten „Sonnnenschein“-Vitamins (weil es auch durch UV-B-Strahlung in der Haut gebildet werden kann, hier im Blog) wurde soeben von der DGE beträchtlich nach oben korrigiert und gleichzeitig im Winter – wegen der geringen UV-B-Einstrahlung in unseren Breitengraden – eine Einnahme von Vitamin-D-Präparaten für Senioren, Menschen mit dunklerer Hautfarbe und „Stubenhockern“ empfohlen [Pressetext der DGE]. Ein Novum für die DGE!

In der Fachwelt wird diese Einnahmeempfehlung durchaus kritisch gesehen, die „Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie“ (auch DGE!) betont in ihrer Darstellung, dass lediglich bestimmte Personengruppen wie Säuglinge, Nierenkranke und Menschen mit Knochenerweichung zu künstlichen Präparaten greifen sollten. Die Wirkung von Vitamin D gegen Krebs bleibt weiter unbewiesen, wie Studien gezeigt haben (Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism), die auf Grund ihrer kurzen Laufzeit aber auch keinen Beweis oder Gegenbeweis darstellen. Die Erhöhung der Ernährungsempfehlung ist allerdings weitgehend unstrittig.

Insgesamt bleibt: Gesunde Ernährung und ausreichend Zeit an der Sonne, dann muss man  sich über all dies keine Gedanken machen! Natürlich kommt Vitamin D in großen Mengen vor allem in Fettfischen wie Hering und Makrele vor und auch in Lebertran, der ja aus Fischen gewonnen wird. Praktischerweise gibt die DGE (Ernährung!) auch noch Hinweise bezüglich der Dauer des Sonnenbads (vgl. Link oben):

Die körpereigene Vitamin D-Bildung in der Haut ist abhängig von Breitengrad, Jahres- und Tageszeit, Witterung, Kleidung, Aufenthaltsdauer im Freien sowie dem Hauttyp. Um 10 µg Vitamin D zu bilden, muss sich ein Mensch mit dem Hauttyp III (mittelhelle Haut, braunes Haar, helle bis dunkle Augen, bräunt langsam und bekommt nur manchmal einen Sonnenbrand) von April bis Oktober auf dem 42. Breitengrad (z. B. Barcelona) zur Mittagszeit mit zu einem Viertel unbedeckter Haut schätzungsweise 3 bis 8 Minuten in der Sonne aufhalten. In Deutschland reicht die Stärke der Sonnenbestrahlung nur ca. 6 Monate im Jahr aus, um eine ausreichende Vitamin D-Bildung zu gewährleisten.

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  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 01/02/2012 um 14:21

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